IT-FachkrĂ€fte arbeiten in vielen verschiedenen Branchen. Manche dieser Branchen sind stĂ€rker von der Corona-Krise betroffen als andere. Das fĂŒhrt dazu, dass auch der IT-Arbeitsmarkt nicht von der Corona-Krise verschont bleibt. Indeed-Daten zeigen, dass Unternehmen derzeit gut daran tun, die heiĂ umkĂ€mpften IT-FachkrĂ€fte zu rekrutieren, da in einigen Bereichen IT-SpezialistIinnen vermehrt nach Jobs suchen. Gleichzeitig ist aufgrund der Corona-Krise die Zahl der Stellenausschreibungen auch im IT-Bereich zurĂŒckgegangen. Auf Unternehmensseite bedeutet dies derzeit etwas weniger Konkurrenz. Aus Sicht der jobsuchenden IT-FachkrĂ€fte ist allerdings keine Panik angebracht. Die Arbeitslosenzahlen im IT-Bereich sind zwar stark angestiegen, absolut gesehen allerdings immer noch auf einem niedrigen Niveau â und es gibt eine Vielzahl von IT-Jobs. Gerade jetzt schadet es nicht zu schauen, welche Unternehmen trotzt Corona-Schock in die Zukunft investieren und IT-Fachleute suchen.
IT-Arbeitslosenzahlen sind ĂŒberdurchschnittlich angestiegen
Deutschlandweit hat die Zahl der Arbeitslosen im Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25,8 % zugenommen. Bisher wenig Beachtung geschenkt wurde dem starken Anstieg der Arbeitslosenzahlen bei den IT-Berufen (offizielle Bezeichnung in der Klassifikation der Berufe ist âInformatik und andere ITK-Berufeâ). Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat im Mai 2020 die Zahl der Arbeitslosen im IT-Bereich um 32,8 % zugenommen. Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit untergliedert Arbeitslose in die Guppen âHelferâ, âFachkraftâ, âSpezialistâ sowie âExperteâ. Ein detaillierter Blick in die Statistik verdeutlicht, dass die Arbeitslosenzahlen im IT-Bereich insbesondere unter Expert*innen zugenommen haben.
Es gibt natĂŒrlich Berufe, in denen die Arbeitslosenzahlen im Mai 2020 noch stĂ€rker gestiegen sind â zum Beispiel bei Tourismus-, Hotel- und GaststĂ€ttenberufen um 52,7 %. Nichtsdestotrotz ist der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im IT-Bereich ĂŒberdurchschnittlich. Das ist ein Indikator dafĂŒr, wie stark die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt tatsĂ€chlich sind.
IT-Arbeitsmarkt: RĂŒckgang bei Stellenausschreibungen ĂŒberdurchschnittlich
Indeed-Analysen in den vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die verschiedenen Berufe sehr unterschiedlich von der Corona-Krise betroffen sind. Die Entwicklung der Stellenausschreibungen in der IT ist aktuell leicht ĂŒberdurchschnittlich zurĂŒckgegangen â verglichen mit der gesamten Entwicklung der Stellenausschreibungen in Deutschland. Stellenausschreibungen fĂŒr Jobs im IT-Support oder der IT-Infrastruktur sind weniger stark zurĂŒckgegangen als Jobs fĂŒr Softwareentwicklung. Jobs im Bereich Data Analytics und Informationsmanagement, wozu z. B. Data Scientists oder Business Analysten gehören, sind noch etwas stĂ€rker rĂŒcklĂ€ufig.
Damit zeigt sich, dass auch der IT-Arbeitsmarkt nicht verschont bleibt. Die EindĂ€mmungsmaĂnahmen haben das Recruiting in den Unternehmen vor Herausforderungen gestellt. Nicht nur die Recruiter selbst mussten sich in der neuen Situation (und ggf. im Homeoffice) zurechtfinden. Auch mussten Unternehmensstrategien zur Personalentwicklung ĂŒberdacht werden und das Recruiting an die neue Situation angepasst werden â Stichwort Online-BewerbungsgesprĂ€che. All diese GrĂŒnde zusammengenommen werden sicherlich zum RĂŒckgang der Stellenausschreibungen im IT-Bereich beigetragen haben. DarĂŒber hinaus arbeiten IT-Fachleute in vielen Branchen â und einige davon sind besonders hart durch die Corona-Krise getroffen worden. Einige Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet oder mussten MitarbeiterIinnen entlassen. Das wirkt sich dann auch auf neue Stellenausschreibungen im IT-Bereich aus, die erst einmal reduziert oder gestoppt werden.
In einigen Bereichen suchen IT-FachkrÀfte vermehrt nach Jobs
Wie reagieren IT-FachkrÀfte auf die aktuelle Corona-Situation? Um einerseits den Corona-Effekt zu untersuchen und andererseits auch langfristige Trends zu beobachten, vergleichen wir aktuelle Suchanfragen mit der Zeit vor der Corona-Krise sowie mit dem Vorjahreszeitraum.
Eine Analyse der Suchanfragen auf Indeed zeigt: In einigen IT-Bereichen wird aktuell vermehrt nach neuen Jobs gesucht. Auf Data Analytics bezogene Suchanfragen nach âData Scientistâ, âData Analystâ oder âPythonâ folgen aktuell einem langfristigen Trend des zunehmenden Interesses bei Jobsuchenden. Schon seit der Zeit vor der Corona-Krise nimmt der Anteil dieser Stichworte an allen Suchanfragen zu. Auch das Thema âE-Commerceâ gewinnt an AttraktivitĂ€t, wie die Suchen zeigen. âMachine Learningâ, das im Kontext von Automatisierung und kĂŒnstlicher Intelligenz zum Einsatz kommt, hat im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger Interesse bei Jobsuchenden geweckt, aber jetzt wĂ€hrend der Corona-Krise ist der Anteil an allen Suchanfragen gestiegen.
DemgegenĂŒber nehmen Suchen nach âInformatikâ und âSystemadministrationâ ab. Nur ein Teil des RĂŒckgangs fĂ€llt in die Zeit der Corona-Krise. Eine mögliche ErklĂ€rung ist, dass FachkrĂ€fte in diesen beiden Bereichen bei der UnterstĂŒtzung des Homeoffices so ausgelastet gewesen sind, dass nicht viel Zeit fĂŒr die Jobsuche geblieben ist. Denn aus vorangegangenen Indeed-Analysen wissen wir: Es wird hauptsĂ€chlich wĂ€hrend der Arbeitszeit nach neuen Jobs gesucht.
Unterschiedlich sieht die Entwicklung der Suchanfragen im Bereich der Softwareentwicklung aus. Die Suchen nach âSoftwareentwicklerâ sind nicht nur im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen, sondern auch seit Beginn der Corona-Krise. Hier scheinen vermehrt IT-SpezialistInnen den Arbeitsmarkt zu sondieren. WĂ€hrend nach den Programmiersprachen #C und Java hĂ€ufiger gesucht wird, wird seltener nach PHP gesucht. Ob es sich hierbei um Corona-Effekte handelt oder einen allgemeinen Trend bei der Beliebtheit von Programmiersprachen, muss sich noch zeigen.
IT-FachkrĂ€fte sind Unsicherheiten nicht gewöhnt. Bereits wĂ€hrend der Ausbildung oder wĂ€hrend des Studiums wird ihnen vermittelt, wie gefragt sie sind. Die aktuelle Corona-Ausnahmesituation wird zum Nachdenken anregen. Gerade in stark von der Krise getroffenen Branchen kann deutlicher werden, dass der Arbeitsplatz nicht so sicher ist wie gedacht. Das bedeutet zwar nicht, dass es fĂŒr diese Gruppe der FachkrĂ€fte nicht genĂŒgend andere Jobangebote gibt. Aber es bedeutet, dass IT-FachkrĂ€fte, die sich vorher in Sicherheit gewogen haben, doch beginnen, den Markt zu sondieren.
Die Corona-Krise wird den FachkrÀftemangel in der IT nicht lösen
Die Corona-Krise wird die groĂe Nachfrage nach IT-FachkrĂ€ften nicht lösen. Auch wenn einige Unternehmen aktuell bei den Einstellungen im IT-Bereich zurĂŒckhaltender sind als vor der Corona-Krise, ist es unwahrscheinlich, dass IT-FachkrĂ€fte nach der Krise seltener gebraucht werden. Denn uns allen wird gerade bewusst, wie wichtig die Digitalisierung ist. Und welche FachkrĂ€fte werden hierfĂŒr benötigt? Richtig, IT-SpezialistIinnen.
Methodik
FĂŒr diese Analyse untersuchen wir Suchanfragen aus dem IT-Bereich auf Indeed als Anteil aller Suchanfragen vom 1.-19. Juni 2020. Wir vergleichen die VerĂ€nderung der Suchanfragen sowohl gegenĂŒber der Zeit vor der Corona-Krise (1.-19. Februar 2020) als auch die VerĂ€nderung gegenĂŒber dem Vorjahreseitraum (1.-19. Juni 2019). Den Schwankungen im Suchverhalten trugen wir Rechnung, indem wir den gleitenden Durchschnitt (7 Tage) des Anteils an allen Suchen fĂŒr die einzelnen Suchbegriffe berechnen.
DarĂŒber hinaus vergleichen wir die Entwicklungen der Online-Stellenanzeigen auf Indeed diesen Jahres seit Anfang Februar mit den Entwicklungen des letzten Jahres im gleichen Zeitraum. FĂŒr jeden Tag wird ein gleitender Durchschnitt ĂŒber 7 Tage berechnet. Dabei dient der 1. Februar als Basiswert (1. Februar = 100).
Wir haben den 1. Februar als Basiswert definiert, da zu dieser Zeit das Coronavirus in Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch nicht angekommen war. Erst in der Woche vom 24. Februar wurden zwei FÀlle in Heinsberg bekannt, sodass wir die Entwicklungen vor der Coronavirus-Pandemie mit den Entwicklungen wÀhrend der Coronavirus-Pandemie vergleichen können.
Informationen, die auf öffentlich zugĂ€nglichen Daten der Indeed-Deutschland-Website (und ggf. anderen genannten LĂ€ndern) basieren, sind keine Vorhersagen zukĂŒnftiger Ereignisse und umfassen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Stellenausschreibungen.
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